Herkunft

Die Familie Conze vom „Hasendenn“

Etwa drei Kilometer nördlich von Meinerzhagen in der Nähe der Ortschaft Lengelscheid liegt auf ca. 420 m Höhe die Bauernschaft „auf m Hasendenn“. Es war ehemals ein Unterhof des adligen Gutes Badinghagen, einem Lehngut des von dem Friesen Ludgerus um 800 gegründeten Bendektinerklosters Werden bei Essen.

Der Name „Hasendenn“ ist hergeleitet von entweder Hase und Denn gleich Tenne, sozusagen ebener Platz, Spielplatz der Hasen. Wahrscheinlicher ist allerdings die Ableitung von Hase als Flussname für altdeutsch „asa“ gleich Wasser und Denn steht für „Dene“ – Niederung, somit wäre Hasendenn die Stelle einer wässerigen Niederung. Tatsächlich tritt ein kleines Bächlein an dieser Stelle zu Tage, der in die nahe Schleipe fließt.

Der Name „Hasendenn“ wird erstmals urkundlich 1524 erwähnt. Es war üblich das der Name des Besitzers wie z. B. Johann op Hasendenn im Namen erschien. So gibt es im Pfarrarchiv von Meinerzhagen 1578 eine Eintragung, die den Vormund „Contze up dem Hasendenne“ erwähnt. Der Name geht zurück auf „Cunz gleich Conrad“.

Die Schrecken des dreißigjährigen Krieges haben fast alle Urkunden vernichtet Auch die Besitzer des Gutes Hasendenn wurden nicht verschont. Erwähnt wird die Geburt eines Johann Contze auf dem Hasendenn im Jahre 1622, der mit Margarethe Struppert aus Lengelscheid vermählt im Jahre 1692 siebzigjährig starb. Seine Witwe überlebte ihn um 26 Jahre. Ob durch den Krieg verursacht oder aus anderen Gründen Tatsache ist, dass Johann Contze nur noch die Hälfte des Gutes Hasendenn besaß. Die andere Hälfte befand sich im Besitz der Richerfamilie Wever.

Der älteste Sohn von besagtem Johann war Jakob Contze, geboren 1652. Er heiratete 1705 Anna Margarethe Mannesmann, jedoch blieb die Ehe kinderlos. Der Besitz konnte erheblich vergrößert werden und ging nach seinem Tode 1734 auf seinen Neffen Johann Anton C., dem ältesten Sohn von Jakobs jüngstem Bruder Peter C. über. Peter verstarb bereits 1714 und hinterließ Frau und sechs unmündige Kinder. Die Witwe heiratete 1716 Caspar Diederich Wever, den Besitzer der anderen Hälfte des Gutes.

Johann Anton C. heiratete Anna Sibylla Stenkenberg . Er bewirtschaftete das Gut drei Jahre, wurde dann allerdings von den Preußen zum Kriegsdienst gezwungen. War „Musquetier“ im Infanterieregiment des General Leps, nahm unter dem Soldatenkönig Friedrich I und Friedrich dem Großen an mehreren Schlachten teil und wurde nach zehn Jahren vorbildlichen Dienstes ehrenvoll aus der Armee verabschiedet.

Das Gut wurde derweil von seiner Mutter und seiner Frau bewirtschaftet. Er kam wohl hin und wieder auf Urlaub zurück. Ihm wurden eine Tochter und ein Sohn geboren.

Nach seiner Entlassung aus dem preußischen Militärdienst widmete sich Johann Anton C. ganz der Bewirtschaftung des Gutes. Der siebenjährige Krieg brachte weitere Drangsale der Franzosen und Abgaben. Er starb 1774 und der Contzesche Anteil des Hasendennes ging auf seinen ältesten Sohn Johann Jakob C. über, der später die Anteile seines Bruders Peter Diederich und seines Schwagers J.H. Vedder käuflich erwarb.

Die sechste Tochter von Johann Jakob, Anna Caharina Wilhelmine, geb. 1781, heiratete und brachte in die Ehe mit P.J.Borlinghaus aus Kierspe die Anteile des Gutes Hasendenn ein. Die Ehe blieb kinderlos und so verkaufte die Witwe den Besitz an P.W. Sure , dessen Sohn Theodore es 1876 an Friedrich Kemper veräußerte. Dessen Sohn Ewald ließ das Guthaus wegen Baufälligkeit 1909 abbrechen und baute ein neues Haus, das er später an Dr. Walter von Selve in Altena verkaufte. Die jetzigen Besitzer sind uns nicht bekannt.

Soweit die Geschichte des „Hasendenn“.

Der dritte Sohn des oben erwähnten Johann Antons, Peter Diedrich Contze, wurde 1735 auf dem elterlichen Gut Hasendenn geboren. Auch er musste in Preußens Heer dienen. In seinen Jugendjahren half er in der Landwirtschaft seinem älteren Bruder, hatte aber das Glück, den Schulunterricht beim ersten Meinerzhagener Rektor J.C. Bährens zu bekommen, was ihn in späteren Jahren zur Ausübung des Beamtendienstes befähigte.

Als Musketier unter dem Kommando des Generalmajors J.C.R.Frhr.v. Quadt machte er den Vormarsch Richtung Sachsen mit, es folgten verschieden Schlachten bis es in der Schlacht bei Kunersdorf zu der Begegnung mit Friederich dem Großen kam, der ihn wegen seines Schneids und Tüchtigkeit an den Hof nach Potsdam zur Schlosswache versetzen ließ. Später fand er Beschäftigung bei der staatlichen Zollverwaltung.

1767 heiratete er seine erste Frau, Maria Catharina Maginitzky in Potsdam. Über Stationen als Torschreiber in Breslau, Potsdam, Brandenburg gelangte er nach Wesel und später nach Kleve. Dort starb seine Frau und hinterließ sechs Kinder, von denen allerdings nur drei überlebten.

Noch als Torschreiber heiratete er in Kleve Maria Gertrud van Ördingen, aus Essen, Tochter eines Schuhmachermeisters. Sie hatten fünf Söhne und zwei Töchter, von denen zwei Söhne bei der Geburt starben. Auf besonderen Befehl des Königs wurde Peter D. bei der preußischen Kriegs- und Domainenkammer angestellt. Bedingt durch die französische Besatzung von Kleve wurde die Kammer nach Wesel verlegt.

Seine zweite Frau starb 1802. Eine baldige Wiederverheiratung, mit Susanna Catharina Kruse, gab den fünf unmündigen Kindern eine neue Mutter. Zweiundsiebzigjährig starb Peter D. nach einem bewegten Leben 1807 in Wesel.

Das älteste Kind aus zweiter Ehe war unser Ururgroßvater Peter Diedrich Contze, geb. 1783. Er hatte Gymniasial- Unterricht und sollte studieren. Da aber die Verhältnisse es nicht zuließen, der Vater aber seinen Sohn gerne in preußischen Staatsdiensten sah, gelang es ihm, ihn im Alter von vierzehn Jahren in der königlichen Kammer- Kanzlei unterzubringen. Jedoch entsprach dieser Beruf nicht seinen Neigungen und so ging er 1798 nach seiner Konfirmation nach Krefeld, um bei der bekannten Seidenhandlung F.A. Heydtweiller eine kaufmännische Lehr zu machen. Dort lernte er seinen Kollegen Johann Adolph Köttgen aus Neviges kennen, der ebenfalls eine Lehre machte. Sie wurden Freunde und beschlossen gemeinsam Unternehmer zu werden.

Das war 1802 der Ursprung der Firma Köttgen und Conze. 1879 setzten die Köttgens die Färberei in Langenberg fort, während der Sohn von Peter Diedrich, Gottfried zusammen mit seinem Schwager Herrmann Colsman die Seidenweberei Conze und Colsman gründeten.

Peter Diederich heiratete 1809 Anna Maria Feldhoff, Tochter des Kaufmanns Gottfried Feldhoff aus Mettmann. Sie starb im 1824 neu erbauten Haus Rosenberg (alter) im Jahre 1828. Die beiden Kinder dieser Ehe starben früh. Aus zweiter Ehe mit Marie Sophie Waldhausen, geb. 1793 in Essen, stammen die Kinder Gottfried, verheiratet mit Maria Colsman, Maria Christine Gertrud, verheiratet mit Wilhelm Bartels aus Gütersloh, und Albert Heinrich, Gutsbesitzer in der Neumark, verheiratet mit Anna Marie Wilhelmine Phemel. (Conzenauer Conzes).

Gottfried und Maria hatten 11 Kinder:

  • eine Tochter, 1859, starb kurz 1. nach der Geburt
  • Peter Diedrich, 1860, verheiratet mit Bertha Mathilde Friderike Schniewind, geb. 1867
  • Gottfried (Frieder) August, 1862 verheiratet mit Bertha, geb. Wolff
  • Sophie Emilie, 1864, verheiratet mit Carl Freyberger
  • Maria Johanna, 1865, starb nach sechs Monaten
  • Anna Margarethe, 1866, verheiratet mit Karl Klingemann
  • Wilhelm Emil, 1868, verheiratet mit Elisabeth, geb. Gerhardi
  • Elisabeth (Else), 1870, gest. 1886
  • Emilie, 1871, gest. 1878
  • Ernst, 1873 verheiratet mit Adele, geb. Köttgen
  • Heinrich 1875 verheiratet mit Luise, geb. Köttgen

Peter und Berthas drittes Kind war Hans, der Clara Neuhaus heiratete. Sie hatten 10 Kinder. Wenn alle lebenden Nachfahren hätten zusammenkommen können, wären es mit Schwiegerkindern, Enkeln und deren Familien 143 Personen.

Auszug und Bild aus dem Familienbuch CONZE
Verfasst 1931 von Wilhelm Conze

Wolfgang Conze 15. Mai 2006